Der Klosterfrau Group Award

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.1 Deutschlandweit betrifft sie 8 bis 10 Prozent der Heranwachsenden.2 In über 80 Prozent der Fälle treten die ersten Asthmasymptome vor dem 5. Lebensjahr auf,2 in überwiegender Zahl als allergisches Asthma.3

Allergisches Asthma entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von genetisch bedingter Anfälligkeit und auslösenden Umweltfaktoren.4 Allerdings sind Kinder aus ländlichen Gebieten seltener betroffen als Stadtkinder. Wissenschaftler vermuten, dass der ständige Kontakt zu Bakterienbestandteilen in einem landwirtschaftlichen Umfeld vor Asthma schützt.5-7 In dieser Umgebung kann sich das Immunsystem mit Hilfe von Toleranzmechanismen an meist harmlose Außenreize anpassen. Überschießende Entzündungsreaktionen, wie sie bei allergischem Asthma zu beobachten sind, werden so vermieden. Die möglichen immunologischen Hintergründe hierzu beleuchtet Theodorou, geb. Krusche, in ihrer mit dem „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood” ausgezeichneten Forschungsarbeit.*

AUSZEICHNUNG FÜR FORSCHUNG 

zu frühen Immunmechanismen bei der Entwicklung von kindlichem Asthma

Für die zukunftsweisende Identifikation von Mechanismen der Immunabwehr, die schon in früher Kindheit zu einem umweltvermittelten Asthma-Schutz beitragen, wurde Johanna Theodorou, Doktorandin an der Ludwig-Maximilians Universität München mit dem Klosterfrau Group Award 2021 ausgezeichnet.

Die Preisträgerin identifizierte im Rahmen ihrer Forschung an der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital München ein entzündungshemmendes Protein als möglichen zukünftigen Biomarker. Dieser ermöglicht eine Risikoabschätzung hinsichtlich der Entwicklung von Asthma bereits bei der Geburt. Zusätzlich konnte sie mit Hilfe dieses Proteins entzündungshemmende Effekte von landwirtschaftlichen Staubextrakten auf Zellen asthmatischer Kinder nachweisen. Diese neuen Erkenntnisse liefern nicht nur einen wertvollen Beitrag zum tieferen Verständnis der Entstehung und Entwicklung von Asthma, sondern auch zur Weiterentwicklung prädiktiver und therapeutischer Maßnahmen.

Johanna Theodorou ist Preisträgerin des Klosterfrau Group Award 2021

Asthma beim Kind: 

Schlüsselprotein identifiziert

Als Teil eines internationalen Forscherteams beleuchtete die Preisträgerin unter anderem die Auswirkungen landwirtschaftlicher Staubextrakte und bakterieller Zellbestandteile auf die Bildung von TNF-α-induziertem Protein 3 (tumor necrosis factor alpha-induced protein 3, TNFAIP3). Dieses Protein ist bekannt für seine regulierende Funktion bei immunologischen Toleranzmechanismen. Allerdings war seine Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Asthma bei Kindern bisher ungeklärt.

Für ihre Untersuchungen griff Theodorou auf spezifische Immunzellen von 250 gesunden und asthmatischen Kindern aus ländlichen und städtischen Gebieten Europas und Chinas zurück. Die Untersuchungen zeigten: Grundlegend wird dieses entzündungshemmende Protein bei jungen Asthmatikern und auch schon bei Neugeborenen, die unabhängig von ihrer Herkunft im Schulalter Asthma entwickeln, nur vermindert produziert. Bei diesen Kindern ist das Immunsystem nicht ausbalanciert, entzündungsfördernde Immunreaktionen überwiegen. Die Zugabe von landwirtschaftlichem Staub oder Bakterienbestandteilen glich dieses Ungleichgewicht aus. Die verminderte Menge des Proteins in Blutproben asthmatischer Kinder stieg durch die Zugabe der Bauernhofextrakte sogar bis auf das Niveau gesunder Kinder an.

Mit diesen Forschungsergebnissen identifizierte Theodorou das Protein TNFAIP3 als zentralen Regulator bei der Entstehung und Entwicklung von Asthma im Kindesalter und beim umweltvermittelten Schutz desselben.

Entscheidend 

für zukünftige Präventionsstrategien

Die mit dem Klosterfrau Group Award ausgezeichnete Arbeit liefert nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der immunologischen Abläufe bei Asthma, sondern auch eine vielversprechende Basis für die Entwicklung neuer prädiktiver und therapeutischer Ansätze. So könnte TNFAIP3 zu einem Biomarker für die spätere Entstehung von Asthma weiterentwickelt werden. Damit wäre bereits bei Geburt eine Bewertung des Erkrankungsrisikos möglich. Die klinische Entscheidungsfindung hinsichtlich allergievorbeugender Maßnahmen könnte somit zu einem sehr frühen Zeitpunkt unterstützt werden. Die entzündungshemmenden Effekte von landwirtschaftlichem Staub bei Kindern mit bestehendem Asthma rücken sogar eine therapeutische Anwendung von Bauernhofextrakten in den Bereich des Möglichen. 

Literaturangabe:

*Krusche J, Twardziok M, Rehbach K, et al. TNF-α-induced protein 3 is a key player in childhood asthma development and environment-mediated protection. J Allergy Clin Immunol. 2019 Dec;144(6):1684-1696.e12.
doi: 10.1016/j.jaci.2019.07.029.

[4.688 Zeichen inkl. Leerzeichen und Literaturangabe (581 Wörter), ohne Quellen]

Quellen:

1Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH) (Hrsg.). Lungeninformationsdienst: Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen [Website]. Abgerufen am: 03.02.2021.  
https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/ schwerpunktthemen/kindliches-asthma/index.html

2Deutsche Lungenstiftung e.V., Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (VPK) (Hrsg.). Lungenärzte im Netz: Asthma bei Kindern – Wie häufig ist Asthma bei Kindern? [Website]. Abgerufen am: 03.02.2021. 
https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bei-kindern/wie-haeufig-ist-asthma-bei-kindern/

3Deutsche Lungenstiftung e.V., Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (VPK) (Hrsg.). Lungenärzte im Netz: Asthma bronchiale – Häufigkeit [Website]. Abgerufen am: 03.02.2021. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bronchiale/haeufigkeit/

4Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH) (Hrsg.). Allergieinformationsdienst: Risikofaktoren für allergisches Asthma [Website]. Abgerufen am: 03.02.2021.  
https://www.allergieinformationsdienst.de/ krankheitsbilder/allergisches-asthma/risikofaktoren.html

5Deutsche Lungenstiftung e.V., Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (VPK) (Hrsg.). Lungenärzte im Netz: Asthma bei Kindern – Risikofaktoren [Website]. Abgerufen am: 03.02.2021. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bei-kindern/risikofaktoren/

6Mutius E von, Vercelli D. Farm living: Effects on childhood asthma and allergy. Nat Rev Immunol 2010;10:861-8. doi: 10.1038/nri2871.

7Braun-Fahrländer C, Riedler J, Herz U, Eder W, Waser M, Grize L, et al. Environmental exposure to endotoxin and its relation to asthma in school-age children. N Engl J Med 2002;347:869-77. doi: 10.1056/NEJMoa020057.


Der Klosterfrau Group Award 


liegt uns sehr am Herzen.

Für ihre wegweisenden Forschungen zur Genchirurgie der Cystischen Fibrose (CF) mithilfe einer weiterentwickelten Form der CRISPR*-Cas-Technik wurde die Doktorandin Giulia Maule von der Universität Trento, Italien, mit dem „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2020“ ausgezeichnet. Diese Ergebnisse könnten den Weg für eine effektive Behandlung von Erkrankungen bereiten, die auf Spleiß-Mutationen beruhen.

Den „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2019“ erhielt Dr. Shu Mei Teo, deren Ergebnisse bisherige Vorstellungen von kindlichen Atemwegsinfekten und der Entwicklung eines Asthma bronchiale auf den Prüfstand stellen. Der „International Klosterfrau-Group Grant for Research of Airway Diseases in Childhood 2019“ ging an Dr. Mirjam Stahl für ihre Forschung zur Untersuchung und Therapieüberwachung der Mukoviszidose im Säuglingsalter.

Virus-Erkrankungen sind besonders für Asthma-Patienten gefährlich. Vor allem durch Erkältungsviren können sich die Symptome deutlich verschlechtern. Der Forscher Simon Phipps aus Queensland/Australien hat nun einen neuen Therapieansatz entdeckt, der das möglicherweise verhindert. Für seine Forschung wurde Phipps mit dem Klosterfrau Group Award 2018 ausgezeichnet.

Am 31. März 2017 wurde anlässlich der 39. Jahrestagung der Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie der Klosterfrau-Forschungspreis 2017 in zwei Kategorien verliehen. Der erste Platz ging an den Pädiater Erick Forno, MD, MPH, vom Children’s Hospital der University of Pittsburgh. Der Forscher fand heraus, dass es bei Kindern einen Zusammenhang zwischen Adipositas, Asthma und Dysanapsis gibt.

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